Laserpointer – eine Gefahr für die Luftfahrt

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Am 14.01.2017 gegen 17.30 Uhr wurde laut Polizeibericht der Pilot eines Rettungshubschraubers beim Start vor dem Helios-Klinikum Schwerin mit einem Laserpointer geblendet. Der Vorfall ging glimpflich aus, der Pilot konnte den Flug fortsetzen.

Doch dieser Vorfall ist kein Einzelfall. Allein 2015 wurden 526 Fälle von Laserpointer-Attacken auf Luftfahrzeuge in Deutschland gemeldet. Beliebte Ziele sind Passagierflugzeuge, die sich im An- und Abflug befinden, tief fliegende Hubschrauber und sogar Kleinflugzeuge.

Warum sind Laserpointer-Attacken auf Luftfahrzeuge so gefährlich?

Besonders im Tiefflug ist eine erhöhte Konzentration gefragt. Sei es im Anflug, Abflug oder einfach nur bei einem tiefen Überflug. Wenn es dann auch noch dämmert oder Nacht ist, werden Instrumente wie Höhenmesser und Fahrtmesser umso wichtiger. Genau das nutzen manche Leute aus und stellen sich in eine Einflugschneise und zielen mit einem starken Laserpointer auf das Cockpit das überfliegenden Flugzeug.

Wenn der Laserstrahl auf die Cockpitscheibe trifft, bricht diese das Licht und das Cockpit wird erhellt. Wenn der Pilot nun genau in das Licht schaut, kann es zu einem Nachbild kommen, der sogenannten „flash blindness“. Das bedeutet, dass der Pilot durch die Blendung mit hoher Lichtintensität kurz sein Sehvermögen verliert. Im Alltag tritt das in leichter Form auf, wenn man zu lange in die Sonne schaut und dann schwarze oder farbige Punkte in seinem Blickfeld hat. So eine „flash blindness“ kann von wenigen Sekunden bis mehrere Minuten dauern.

Aus der Sicht des Hubschrauberpiloten

Aus der Sicht eines Hubschrauberpiloten

Solch eine starke Blendung führt häufig zu einer räumlichen Desorientierung, das heißt die „situational awarness“ wird reduziert oder ist gar nicht mehr vorhanden. Die größere Gefahr geht laut John Marshall vom Londoner University College welcher eine Studie zu dem Thema verfasste, von dem Schock des Piloten aus, denn dieser macht den Piloten handlungsunfähig. Piloten die sich in dieser Situation bereits befunden haben, gaben spätestens an dem Punkt das Kommando an den Co-Piloten ab.

Selbst wenn der Pilot nicht direkt in das Licht geschaut hat, geht eine Gefahr von der Helligkeit aus. Die Cockpitbeleuchtung ist bei Dunkelheit meist runtergeregelt. Nach einer starken Erhellung der Umgebung, braucht das Auge nun wieder eine Zeit, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. So sind die Instrumente schlecht zu erkennen.

Piloten, die für kurze Zeit ihr Sehvermögen und die räumliche Orientierung verlieren, können dementsprechend einen Schock bekommen und ihre Instrumente nicht richtig erkennen – das in geringer Höhe! Das klingt nicht gerade ungefährlich, oder? Ist es auch nicht. Man kann von Glück reden, dass bis jetzt noch nichts Schlimmeres passiert ist.

Wie können so viele Leute so starke Laserpointer besitzen?

Bei den ganzen Gefahren denkt man sich: Und warum werden Laserpointer mit einer so hohen Lichtintensität nicht einfach verboten? Ganz einfach, weil sie schon verboten sind. In Deutschland sind Laserpointer mit einer maximalen Stärke von einem Milliwatt erlaubt. Die Laserpointer die aber gegen Luftfahrzeuge eingesetzt werden übersteigen diesen Wert ums tausendfache. Solche leistungsstarken Geräte sind ganz einfach übers Internet und im Ausland erhältlich. Nur deshalb erreichen die Geräte ein Flugzeug in einer Höhe von über 100 Metern.

Ein kleines Beispiel: Ein Laserpointer mit 100 mW trifft in maximal 2 Mikrosekunden auf ein Auge. Der Körper braucht aber 0,25 Sekunden um zu reagieren. Das heißt die Reaktionszeit ist 125.000 Mal zu lang. Da kann man sich ja vorstellen, was mit dem Auge passiert. Die Netzhaut wird regelrecht verbrannt. Manche betroffenen Piloten klagen nach einer solchen Attacke über Schmerzen im Auge. Bereits zwei Piloten in Deutschland haben eine Verbrennung der Netzhaut erlitten, lassen wir es nicht darauf ankommen das weitere Menschen Schäden davon tragen.

Warum werden Leute die mit Laserpointer auf Luftfahrzeuge zielen so selten gefasst?

Laserpointer mit hoher Lichtintensität sind heutzutage schon ziemlich kompakt und klein. So können die Täter das Gerät leicht verstecken. Häufig können die Piloten den genauen Standort des Täters nicht genau benennen, so haben Einsatzkräfte es sehr schwer diesen zu finden. Wer sich aber einen Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera aussucht, wie ein Mann aus Bautzen, hat gleich verloren. Da das zielen mit einem Laserpointer auf ein Luftfahrtzeug als „gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr” gilt, kann ein Täter bis zu 5 Jahre in Haft kommen. Der Mann aus Bautzen konnte durch das Bild der Wärmebildkamera leicht identifiziert werden und erhielt ein 8-Monatige Haftstrafe.

Wie können sich Piloten bei einer solchen Attacke schützen?

Um schlimme Folgen einer Laserpointer-Attacke zu vermeiden, werden Piloten folgende Handlungen empfohlen:

  • nicht in den Laserstrahl schauen
  • Kommando an den Co-Piloten übergeben (wenn vorhanden)
  • hochdrehen der Cockpitbeleuchtung
  • vermeiden von Augenreiben
  • die Flugsicherung über den Vorfall informieren
  • danach sollte unbedingt der Augenarzt besucht werden

Spätestens an der Stelle sollte man sich fragen: Warum belästigen Leute andere mit einem Laserpointer? Vielen ist nicht bewusst was für Schaden sie anrichten können. Solche Attacken sind schon lange kein lustiger Streich mehr und waren es auch nie.

Quellen:

Blendung der Piloten – aerotelegraph.com

So gefährlich kann es im Luftraum sein – sueddeutsche.de

So gefährlich kann es durch Licht im Flugbetrieb werden – wehrmed.de

Schweriner Rettungshubschrauber von Laser geblendet – Polizeibericht

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