Chronik 2. 1990 – 2011: Gründung des Fliegerclubs Pinnow bis heute

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Wie kam es nach diesen mittlerweile weit entfernten Jahren zur Gründung unseres Fliegerclubs am 13. Januar 1990? Aus der zeitlichen Distanz von über 20 Jahren fällt es schwer, sich diesen Gründungsvorgang vorzustellen. Immerhin war der Flugplatz in Pinnow ein GST-Stützpunkt und die Mauer gerade mal zwei Monate gefallen. Es gab noch die DDR und ob es zu einer Vereinigung beider deutscher Staaten kommen würde, war noch lange nicht ausgemacht.

Wie sah es also in Pinnow Ende 1989 aus? Dazu unser damaliger 1. Vorsitzender Bernd Speer:

Die „Gesellschaft für Sport und Technik“ diente zwar der vormilitärischen Laufbahnausbildung aber auch nicht ausschließlich. Man konnte einige Sportarten (z.B. Segelfliegen) nur im Rahmen der GST durchführen. Aber zumindest zu meiner Zeit (1966 bis 1990) und auf dem Flugplatz Pinnow, wurde die ganze Sache nicht so heiß gegessen wie sie politisch gekocht wurde. Offiziell unterschied man zwar zwischen den Anwärtern auf eine militärische Pilotenlaufbahn und den Freizeitsportlern aber eigentlich war das ein großer Haufen flugbegeisterter Jungs und Männer (und auch Mädels), die jedes Wochenende und mehrere Wochen in der Saison ihre Leidenschaft teilten.

Der FFSV (Flug- und Fallschirmsportverband der DDR) wurde 1987 als Sportfachgruppe der Flugsportler gegründet, das war zu der Zeit nur ein Debattier-Verein und sollte der Sache einen demokratischen Anstrich geben. („DAeC der DDR“).

Da ja schon vor Grenzöffnung weitere gesellschaftliche Veränderungen erfolgten, war abzusehen, dass die GST in der alten Form keine Existenzberechtigung mehr hatte, Sie war aber in der Regel der Eigentümer der Flugplatzgebäude, Flugzeuge und der übrigen Technik (in Pinnow war das Grundstück innerhalb des Zauns auch noch GST-Eigentum, der Flugplatz an sich gehörte dem Rat des Kreises Schwerin-Land).

Der vormilitärische Flugsport sollte abgeschafft und zukünftig als ziviler Freizeitsport von jedem Interessenten betrieben werden können. Da die bisherigen Flieger nur Mitglieder in Grundorganisationen der GST waren, diese aber keine juristische Personen waren, musste erst mal so etwas geschaffen werden. Da auch in der DDR laut Gesetz Vereine gegründet werden konnten (das Neue Forum war wohl der erste angemeldete Verein, ansonsten hat es wohl keiner gemacht), wurden die Flugsportler aufgefordert, Vereine zu gründen, damit diese dann in der Folge die Flugplätze und die Technik übernehmen können.

Der Aufforderung, einen Verein zu gründen, kam man in Pinnow schnell nach. Zielstrebig wurde zu Werke gegangen und schon am 13. Januar 1990 fand die Gründungsversammlung des Fliegerclubs Schwerin/Pinnow statt.

Bei dieser Gründungsversammlung wurden laut der noch vorhandenen Unterlagen zahlreiche Kandidaten für die zu besetzenden Vorstands-Ämter vorgeschlagen. Gewählt wurde in geheimer Wahl ein siebenköpfiges Gremium. Dazu Bernd Speer:

Die Gründungsversammlung der Fliegerclubs Schwerin/Pinnow e.V., war an sich eine unaufgeregte Veranstaltung, die aber die Grundlage für die weitere fliegerische Tätigkeit in Pinnow war. (Verkehrszulassung der Flugplatzes, gesamte Versicherungswesen, Halterschaft der Flugzeuge und deren Instandhaltung usw.) Einige Bewerber auf die Vorstandsmitgliedschaft, die von ihrer Geltungssucht und sonstiger Charaktereigenschaften gesteuert wurden, haben die Veranstaltung in die Länge gezogen.

Chronik 2. 1990 – 2011: Gründung des Fliegerclubs Pinnow bis heute

Der Historie wegen hier die Abschrift des in Handschrift vorliegenden Originals:

Pinnow, 13.01.1990

Protokoll Gründungsversammlung des Fliegerclubs Schwerin / Pinnow

Die Gründung des Fliegerclubs Schwerin / Pinnow und die Wahl der Clubleitung erfolgte am 13.01.1990 in Schwerin.

Von den 93 Flugsportlern des Segelflugplatzes Schwerin / Pinnow waren 69 anwesend,

In geheimer Wahl wurden folgende Clubleitungsmitglieder mit Stimmenmehrheit gewählt:

ClubvorsitzenderSpeer, Bernd
Stellvertretender Clubvorsitzender und GeschäftsführerBauerfeind, Horst
Leiter fliegerische AusbildungStocek, Siegfried
Leiter für SegelflugtechnikDegner, Günther
Leiter für Winden- u. Kfz-TechnikIhde, Reinald
SchatzmeisterWahrmann, Detlef
Verantwortlicher für ÖffentlichkeitsarbeitSchulz, Manfred

Es wurden weiterhin eine vorläufige Satzung und eine vorläufige Wahlordnung bestätigt

Speer

Clubvorsitzender

Am 2. Februar 1990 wurde vom frisch gewählten Vorstand der Antrag auf staatliche Anerkennung gestellt. Zur Begründung des Antrages heißt es darin:

Aufgrund der völlig neuen Strukturen und Aufgaben der Sportverbände innerhalb der GST soll die Gründung u. Arbeitsfähigkeit des Fliegerclubs Schwerin / Pinnow e.V. die Gewähr dafür geben, dass der Segelflugsport zukünftig für alle interessierten Bürger am Segelflugplatz Schwerin/Pinnow möglich ist.

Der Zug ging in Richtung eines zivilen, für jedermann offenen Fliegervereins. Es sollte aber noch einige Zeit bis zur staatlichen Anerkennung ins durchgeschüttelte Land gehen. Das neue „Vereinigungsgesetz der DDR vom 28.2.1990“ erleichterte manche Wege und am 12. Mai 1990 war es dann soweit: Der Eintrag ins Vereinigungsregister (Notar) erfolgte, die Urkunde wurde ausgehändigt.

Und weiter? Ein junger Fliegerverein ohne Flugplatz und Technik? Ganz so einfach war das mit der Übernahme der GST-Flugtechnik und des Flugplatzes eben nicht. Zunächst wurde ein Antrag auf Übernahme der Nutzungsrechte am Flugplatz und der Flugplatzgebäude bei der Gemeinde Pinnow gestellt. Am 28. August 1990 stimmte die Gemeinde zu – und damit endet auch schon der einfache Teil der Geschichte.

Größere und vor allem langwierigere Querelen gab es mit den Eigentumsverhältnissen bezüglich der vorhandenen Technik: Auf der letzten Hauptversammlung des Flug- und Fallschirmsportverbandes der DDR war beschlossen worden, die von den Vereinen genutzten mobilen Ausrüstungen schnellstmöglich vom „Volkseigentum“ in Vereinseigentum zu überführen. Die Vereine fertigten dazu Bestandslisten an, die in den Landesverbänden zu Paketen zusammengefasst wurden. Mit „Schenkungsverträgen“ versehen übertrug der „Bund Technischer Sportverbände der DDR“ (BTSV), damals immer noch Dachorganisation des Flug- und Fallschirmsportverbandes der DDR, per 1. Oktober 1990 die aufgeführten GST-Flugzeuge und mobilen Ausrüstungen auf die Vereine.

Am 18. Dezember 1990 erhielten die Verbände des BTSV die Mitteilung der Treuhand, dass sämtliche Mobilien und Immobilien der ehemaligen GST unter Verwaltung der Treuhand stehen und ohne deren Zustimmung keinerlei Eigentumsveränderungen vorgenommen werden dürfen. Erst nach langen und mühevollen Verhandlungen musste die Treuhand dann aber doch kapitulieren. Am 5. Februar 1993 stand felsenfest: Die ehemaligen Flugzeuge und die Flugtechnik der GST werden unentgeltlich den Flugsportvereinen überlassen. Damit waren auch für unseren Fliegerclub die letzten Steine aus dem Weg geräumt.

Personelle Veränderungen gab es im Vorstand des jungen Fliegerclub Pinnow Anfang 1991. Vier neue Mitglieder wurden in den 7-köpfigen Vorstand gewählt. Der stellvertretende Vorsitzende und Geschäftsführer Horst Bauerfeind (ehemaliger GST-Flugplatzleiter von 1983 – 1990) verließ den Verein. An seine Stelle trat Thomas Büsselberg. Als Ausbildungsleiter wurde Gerald Pfeiffer gewählt, Leiter Segelflugtechnik wurde Rainer Schacht und die Öffentlichkeitsarbeit übernahm Hans-Joachim Dosdall.

Obwohl der neue Verein das Flugplatzgelände, die Flugzeuge, die Technik und selbst die Mitglieder aus DDR-Zeit übernommen hat, unterscheidet er sich in seinem Wesen von seiner GST-Vorgängerorganisation. Sowohl die Struktur und Finanzierung als auch der Aufgabenbereich und Charakter haben nichts miteinander gemein. Die Gründung des Vereins bedeutet eine Zäsur in der Geschichte des Flugwesens in Pinnow, so dass von einer bloßen Namensänderung keine Rede sein kann.

Schon in den 70er Jahren wurde auf dem Flugplatzgelände verschiedene Meisterschaften im Modell-Fliegen durchgeführt. Diese unter GST-Regie durchgeführte Sportart fand mit der Abwicklung der DDR ein vorläufiges Ende.Inzwischen gibt es im Fliederclub Pinnow eine eigene Modellfluggruppe, in der auch einige der älteren Sportler aktiv sind.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends begann sich das Verhältnis zwischen der Gemeinde Pinnow und dem Fliegerclub immer mehr abzukühlen. Ursachen dafür sind durchaus in Versäumnissen auf beiden Seiten zu sehen. Das bedauernswert schlechte Verhältnis eskaliert im Jahr 2007 mit einer Räumungsklage gegen den Fliegerverein, obwohl ein Nutzungsvertrag bis ins Jahr 2029 kurz vorher abgeschlossen worden war.

In dieser Zeit stand der Fliegerverein Pinnow e.V. kurz vor seinem Ende. Wir sollten den Flugplatz räumen und besenrein an die Gemeinde Pinnow übergeben. Fünfzig Jahre Luftsporttradition in Pinnow und dem Schweriner Umland sollten zum 01.04.2008 Geschichte sein.

Der Streit wurde bis zum Ende vor Gericht ausgetragen. Wir sind froh und erleichtert, dass die Räumungsklage dank Unterstützung von vielen Seiten vom Schweriner Landgericht abgewiesen wurde. (Nähere Erläuterungen und Gerichtsprotokoll hier klicken)

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