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Das Besondere an unserem Verein „Fliegerclub Pinnow e.V.“ besteht in seiner Vergangenheit bzw. Ursprüngen. Der Platz selbst, die Gebäude, ja,  selbst unsere beiden Piraten und der Puchacz stammen aus der Zeit vor 1990, als dieser Flugplatz von der GST betrieben wurde. Und viele unserer älteren Mitglieder haben hier ihren ersten Flug absolviert oder waren als Fluglehrer tätig.

Dieser wichtige Zeitraum bis 1990 ist die Grundlage für den späteren Fliegerclub Pinnow und aus unserer Geschichte nicht wegzudenken.
Leider verfügt unser Verein über keine schriftlichen Unterlagen aus dieser Zeit und es weiß auch keiner so richtig, wo diese gelandet sind (Höchstwahrscheinlich in der Heizanlage der Kaserne in Stern Buchholz verbrannt). Was diesen Zeitraum anbelangt sind wir auf die Berichte und Mitteilungen unserer älteren Mitglieder oder der ehemaligen Mitglieder angewiesen. Allerdings gibt es noch einen wichtigen Chronisten, der nicht ganz freiwillig seine Kenntnisse offenbaren würde, könnte er noch Einfluss darauf nehmen. Dieser Chronist ist sanft verröchelt, aber einen großen Teil seiner gesammelten Erkenntnisse wurden aufbewahrt. Die Rede ist vom „Ministerium für Staatssicherheit“, kurz MfS. Dieser illustre Verein hatte seine Schnüffelnase selten in einen Kaninchenzüchterverein gesteckt, aber hier in Pinnow, einer 50 km von der Westgrenze entfernten Kaderschmiede für die NVA-Luftwaffe (Flucht mit Segelflugzeug kein unlösbares Problem), war er überall präsent.

Um diese Quelle für unser Vereins-Wissen anzuzapfen, wurde 2009 ein „Forschungsantrag zur Einflussnahme des MfS auf die GST, Sektion Segelflug am Flugplatz Pinnow“, gestellt. Die Aktenlage ist schmal, wirft aber interessante Schlaglichter auf den Flugplatz-Alltag.

Um es vorweg zu nehmen: In den vorliegenden Akten gibt es keine Hinweise auf irgendwelche Stasi-Tätigkeit unserer aktiven Vereinsmitglieder.
Die Idee ist die der umsichtigen, sachbezogenen Aufarbeitung eines Zeitabschnittes, nicht die Brüskierung von Menschen, die diese Zeit miterlebt haben. Es geht nicht darum, das Tun und Lassen heute noch aktiver Vereinsmitglieder unter die Lupe zu nehmen, geschweige denn zu bewerten. Wir denken, 20 Jahre nach dem Mauerfall sollte man sich ohne Bedenken dem genannten Zeitraum nähern können.


Zu den verwendeten MfS-Texten:

Die zahlreichen Abkürzung in den Dokumenten werden nicht aufgelöst, das würde den Lesefluss erheblich stören. Ihr könnt aber leicht über folgende Adresse an den Klartext samt Erklärung kommen: hier

Schwärzungen auf den vorliegenden Kopien werden mit xxxxx  gekennzeichnet,  vorgenommene Kürzungen im Text oder Auslassungen werden folgendermaßen gekennzeichnet: (…)

Hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter werden in den Dokumenten mit Klarnamen benannt, inoffizielle jugendliche Mitarbeiter nur mit ihrem selbst gewählten Decknamen.

Die uns vorliegenden Kopien gelten als „Vereinswissen“ und können mit Zustimmung des Vorstandes von jedem Mitglied eingesehen werden.

 

Teil 1
Besondere Vorkommnisse gab es in Pinnow zu allen Zeiten, aber vor 1990 wurden diese an das Ministerium für Staatssicherheit gemeldet – von wem auch immer. Alkohol war also damals laut untenstehenden Bericht auch schon ein Problem, riskantes Fliegen ebenso. Die helle Aufregung, die bei zu großer Entfernung eines Fluglehrers vom Flugplatz auftrat, ist uns allerdings heute fremd. Und Sowjetsoldaten lassen sich auch eher weniger sehen …


Die Kreuze stellen Schwärzungen dar, Anmerkungen meinerseits habe ich mit R.L. gekennzeichnet

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Kreisdienststelle Schwerin                        Schwerin, den 1.6.1981

Bericht über Vorkommnisse auf dem Segelflugplatz Pinnow

Zu den bisher inoffiziell bekanntgewordenen Vorkommnissen auf dem Flugplatz Pinnow traten in den Monaten April/Mai 1981 Disziplinverstöße im Flugbetrieb auf, die zu einer Beeinträchtigung der Ordnung und Sicherheit auf dem Platz führten.

1.    Am Wochenende, den 17.4. – 19.4.1981 konnte der Flugschüler xxxxxxx auf Grund des Unterlassens der Kontrollpflicht durch den verantwortlichen Fluglehrer  xxxxxxxxxxx zu seinem ersten Einweisungsflug mit dem genannten Lehrer starten. Xx erreichte aber erst im August 1981 das notwendige Mindestalter von 14 Jahren, das er vor dem Start nicht angab. Eine Kontrolle des Mitgliedbuches der GST und des Flugbuches, die in erster Linie jedoch durch den Verantwortlichen hätte erfolgen müssen, blieb jedoch aus. Lediglich das Flugbuch wurde im Nachhinein in den Panzerschrank eingeschlossen und bleibt dort, bis xx das Alter von 14 Jahren erreicht hat.

2.    Seit Beginn der Flugsaison 1981, speziell des BOB-Frühjahrslehrgang (Berufsoffiziersbewerber – Anm. R.L.), wird auf dem Flugplatz Pinnow durch die Fluglehrer in den Ausbildungsfreien Stunden Alkohol (Bier und Schnaps) getrunken. Ohne Wissen der Fluglehrer trinken die Flugschüler ebenfalls Alkohol. Eine ausreichende Kontrolle erfolgte bisher ebenfalls nicht.

3.    Am 09.05.1981 wurde auf dem Flugplatz Pinnow durch den Flugplatzleiter xxxxxx  Benzin in einem 500-Liter-Faß angenommen. Der Kraftstoff wurde durch Soldaten der Sowjetarmee auf den Flugplatz gebracht. Bei den Soldaten war kein Offizier dabei. Sie fuhren eine Jeep, UAZ mit der Aufschrift „BAU“ (Militär-KfZ-Inspektion). Diese Soldaten erhielten dafür ebenfalls alkoholische Getränke in Form von Bier und Schnaps.

4.    Ebenfalls am 9.5.1981 sollte der Fluglehrer  xxxxxxxxxx zu einem Thermikflug starten. Er erhielt jedoch keinen Anschluß an die Thermik und erreichte aus genannten Gründen nicht die vorgeschriebene Mindestflughöhe von 150 m (?? – Anm. R.L.). Er flog trotzdem einen Vollkreis in 120m Höhe. Weiterhin war durch die gegebenen Umstände nicht vorschriftsmäßig die Landung seinen Flugzeuges. Die Einflughöhe in die Landekurve soll nach Vorschrift 100 m Höhe betragen. Xx flog nur mit 30 m in die Landekurve ein. Wegen Nichteinhaltung der Vorschriften erhielt xx einen Tag Flugverbot, da es zu erheblichen Verletzungen des Flugbetriebs auf dem Flugplatz kam.

5.    Am 10.5.1981 bereits wurde dieses Flugverbot durch den an diesem Tag eingesetzten Flugleiter xxxxx  verschoben. Xx sollte erneut einen Thermikflug durchführen. Er kontrollierte zu diesem Zweck nicht sein Funkgerät und verstieß bereits hier gegen bestehende Weisungen und Bestimmungen. Auf Grund eines Defektes hatte xx zwar Verbindung zum Flugleiter, aber der hatte keine Verbindung zu xx. Bei diesem Flug hatte xx Anschluß an die Thermik. Beim Fliegen verließ  xx  jedoch den ihm vorgeschriebenen Bereich und verschwand somit zeitweise aus dem Sichtbereich des Flugleiters. Es wird eingeschätzt, dass er über Schwerin/Schelfwerder – Schweriner See kreiste. Trotzdem xx mehrmals aus dem Sichtbereich des Flugleiters verschwand, wurden durch xxxxxx keine Maßnahmen der sofortigen Benachrichtigung der zuständigen Organe und der Flugüberwachung eingeleitet. Xx wurde durch eine ausgelegte Landeaufforderung zur Landung aufgefordert. Er reagierte jedoch erst nach ca. 10 Minuten, nachdem er von dem in einem anderen Flugzeug fliegenden Kameraden xxx zur Landung aufmerksam gemacht wurde.
Ebenfalls liegt hier ein Versagen des Flugleiters xxxxxx vor, der wie in diesem Fall eine sofortige Benachrichtigung der dafür zuständigen Organe der Abwehr, der Flugüberwachung und des Leiters der fliegerischen Ausbildung in Neustadt-Glewe, Gen. Erthel hätte einleiten müssen.
xx erhielt nach Auswertung im Fluglehrerkollektiv eine Flugsperre bis auf Widerruf.

Ein weiteres Vorkommnis am 10.5.1981 erfolgte bei Start zu einem Schulungsflug. Bereits vor dem Start entstand eine ziemliche Unruhe, so dass keine ordnungsgemäße Flugvorbereitung des Fluges des Fluglehrers xxxxxxx und des Flugschülers xxxxxxx möglich wurde. Auf Grund der fahrlässigen Vorbereitung und der nicht ordnungsgemäßen Kontrolle der Flugsicherheit kam es dazu, dass während des Startvorganges beim Segelflugzeug die hintere Haube ausriß. Die Haube richtete zwar beim Herunterfallen keinen Schaden an, trotzdem hätte es bei dieser fahrlässigen Vorbereitung zu Unfällen größeren Ausmaßes kommen können.

Auf Grund dieser Vorkommnisse schlagen wir vor, auf dem Flugplatz Pinnow die Kontrolltätigkeit zu verstärken, Untersuchungen zu den Vorkommnissen einzuleiten, verstärkte Belehrungen aller auf dem Flugplatz Aktiven durchzuführen und die Disziplinverstöße entsprechend der Verantwortlichkeit der Fluglehrer und Flugschüler zu ahnden.

Arbeitsgruppenleiter                Sachbearbeiter

Walther                                    Kestner

Major                                       Unterleutnant

 

Teil 2

Im folgenden Beitrag gehen wir der Frage nach, wie man vor der Wende in Pinnow Flugschüler wurde. Die Frage klingt banal, man denkt, sicher wie heute bei uns im Verein: Man kommt, meldet sich an (Aufnahmeantrag, polizeiliches Führungszeugnis usw.) und ab in die Luft. Dann folgt noch die Zustimmung auf der Mitgliederversammlung und man ist ordentliches Mitglied.

In GST-Zeiten lief das etwas anders ab. Folgendes Dokument dient dem Verständnis über den Sinn und die Aufgabe des GST-Segelflugsports. Und dies hatte Auswirkungen auf die Mitgliederauswahl.
Nachdem am 16.07.1980 ein GST-Motorflugzeug über die Westgrenze geflogen war (Grenzdurchbruch) und dieses Ereignis von den Westmedien ausgeschlachtet wurde, zog man die Zügel seitens des MfS noch einmal an.

Dazu hier eine Weisung des „Ministerium für Staatssicherheit“ von 1981 (Kopfzeile im Original teilweise handschriftlich)

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Ministerrat der DDR                                Bln., 28.9.81
Ministerium für Staatssicherheit             TgbNr  615/81

An alle     Ltr. BV
Ltr. HA I, II, VII,XVIII, XIX, XX, XX/3

Durchführung von Sicherheitsüberprüfungen zu Bewerbern für die Dienstlaufbahnen Militärflieger und Fallschirmjäger der NVA sowie Bewerbern für die Flug- und Fallschirmsprungausbildung der GST

Die zuverlässige Gewährleistung des Schutzes der sozialistischen Errungenschaften in der DDR erfordert (……) hohe Leistungen und Anstrengungen.

Dabei hat die GST mit der Organisierung und Durchführung der vormilitärischen Ausbildung einen wesentlichen Beitrag zur Auffüllung des Kaderbestandes der NVA, besonders bei der Gewinnung und Entwicklung zukünftiger Militärflieger und Fallschirmjäger, zu leisten.

Politisch-operative Erkenntnisse beweisen, dass sich die Angriffe des Feindes auf Flugzeugführer der GST als Zielgruppe konzentrieren. Verratshandlungen unter Missbrauch der Flugtechnik der GST stellen neben anderen Gesetzesverletzungen eine erhebliche Gefährdung der Sicherheit an der Staatsgrenze der DDR dar und werden vom Gegner auf spektakuläre Weise zur politischen Diskreditierung der DDR und zur Hetze gegen die DDR missbraucht.

Bis zum Erlaß weiterer dienstlicher Bestimmungen (…) ist unter Berücksichtigung bereits bestehender dienstlicher Bestimmungen und Weisungen des MfS, des MfNV und des Zentralvorstandes der GST nach folgenden Grundsätzen zu verfahren:

Die Leiter der Kreisdienstellen haben

–    bei den Sicherheitsüberprüfungen zu Bewerbern haben eine enge Zusammenarbeit zwischen dem für die Sicherheitsüberprüfungen und Entscheidungsvorbereitungen zuständigen Mitarbeiter und dem Abwehroffizier des MFS im WKK zu sichern, um durch rechtzeitige Aufklärung einen einheitlichen, abgestimmten Entscheidungsvorgang zu dem betreffenden Bewerber zu erhalten
–    (…)
–    bei der Beurteilung operativer Fakten und Hinweise eine formale Anwendung der Anforderungskriterien für Bewerber zu verhindern und zu sichern, dass stets die Gesamtpersönlichkeit des Bewerbers als Grundlage der jeweiligen Entscheidung beachtet wird.

(…)

Bewerber für die Flug- u. Fallschirmsprungausbildung der GST

Die Entscheidungen zu den genannten Bewerbern sind durch die Kreisdienststellen  (…)  innerhalb von 8 Wochen vorzubereiten.

Die Entscheidung wird durch die Bestätigungskommission der GST (…) getroffen, in der ein operativer Mitarbeiter der zuständigen Diensteinheit (HA XX/3 bzw. Abt. XX der Bezirksverwaltung) mitarbeitet.
Er hat in der Bestätigungskommission zu sichern, dass die im Ergebnis der Sicherheitsüberprüfung getroffene Entscheidung  (…) durchgesetzt wird.

Zu bereits bestätigten Teilnehmern der Flug- und Fallschirmsprungausbildung der GST sind jährlich Wiederholungsprüfungen vorzunehmen, in deren Ergebnis in der Bestätigungskommission der GST erneut eine Entscheidung bis zum 31.3. zu treffen ist.

(….)

Notwendige Ablehnungen von Bewerbern und Herauslösungen von bereits bestätigten Bewerbern, die aufgrund bekannt gewordener operativ bedeutsamer Fakten notwendig werden, sind unter Angabe der Gründe – bei Wahrung der Konspiration und Geheimhaltung – (…)  dem jeweiligen Kreis- bzw. Bezirksvorstand der GST abzustimmen.

Wir sehen, die staatlichen Behörden hatten bei der Bewerbung eines Flugschülers in Pinnow einiges zu tun. Da kam keine Langeweile auf. Zahlreiche Stellen und Personen wurden im Hintergrund befragt, ohne dass der Kandidat etwas davon mitbekam. Letztlich hob oder senkte ein Mitarbeiter des MfS den Daumen. Gleiches galt bei den jährlichen Sicherheitsüberprüfungen durch´diverse Dienststellen und das MfS
Hier der Auskunftsbericht über einen Fluginteressierten, der sich 1981 in Pinnow beworben hatte:

Kreisdienststelle Schwerin                Schwerin, den 30.10.1981

Bestätigt:
Stellvertreter Operativ
(Kürzel – Anm. R.L.)
Dr. Schwarz, Oberst

Verteiler:
1x Abt. XX/3
1x Handakte

Auskunftsbericht für die Bestätigung als Segelflugkader der GST

Name,Vorname
Geb. am:
PKZ
Beruf
Tätigkeit
Schulbildung
Soz. Herkunft
Pol. organisiert
Wohnhaft
Familienstand
Religion
Vorstrafe
xxxxxxxxxxxxxx
xxxxxxxxxxxxxx
xxxxxxxxxxxxxx
ohne
Schüler
11. Klasse EOS
Intelligenz
FDJ, GST, DSF
2700 Schwerin, xxxxxxx
ledig
ohne, keine kirchliche Bindung
keine

xxxxxxxxxxxxxxx

Der Kandidat ist kontaktfreudig und hilfsbereit. Durch seine Aufgeschlossenheit und sein Temperament in der schulischen und außerschulischen Arbeit nimmt er im Klassenkollektiv einen festen Platz ein.
xx bleibt jedoch bei aktuell politischen Tagesproblemen und politischen Diskussionen im Hintergrund. Er äußert sich positiv, aber nur, wenn er zur Diskussion aufgefordert wird.

Vom xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx  des GST-Flugplatzes Pinnow wird ebenfalls eingeschätzt, dass er bei politischen Diskussionen zurückhaltend ist, jedoch eine positive Stellung zur Politik von Partei und Regierung bezieht. Dies äußert sich auch in der Bereitschaft, Berufsoffizier der Luftstreitkräfte der NVA zu werden.
Im Gespräch mit dem Fluggruppenleiter wurde herausgearbeitet, dass xx versucht, umfangreiche Kenntnisse auf dem Gebiet des Segelflugsports zu erlangen. Hier weißt er gute Leistungen auf, ist technisch interessiert und während der Ausbildung diszipliniert. Sein Auftreten gegenüber den Ausbildern und auch den Flugschülern des Flugplatzes ist korrekt.

xxxxxxxxxxxxxxxx

Nach eigenen Angaben des Kandidaten ist eine Tante  xxxxxxxxxxx / BRD wohnhaft.

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Auf Grund der geführten Ermittlungen ist gegen eine Bestätigung im Segelflugsport der GST nichts einzuwenden.

Quellen

–    IMS „Dieter Roller“
–    IMS „Borgh“
–    IMS „Werner Neumann“
–    Ermittlungsbericht der Abt. VIII
–    GMS „Bruno“
–    GMS „Harry“
–    Ermittlungsbericht des Gen. Xxxxxx, ABV
–    P-Unterlagen des xx vom Flugplatz
–    Speicher des MfS und der VP

Leiter der Kreisdienststelle<Sachbearbeiter
KöhnKestner
OberstleutnantOberfeldwebel

Die scheinbar größte Angst der Staatsführung bestand in der eventuellen Flucht eines Piloten in die BRD mit einem GST-Flugzeug. Um einen solchen Image-Schaden zu verhindern, wurden alle Überwachungs- und Sicherheitsmechanismen in Bewegung gesetzt.
Man wollte keinen Kampfpiloten, der im Ernstfall – also im 3. Weltkrieg – sich aufgrund seiner Verwandschaft entweder zum “Klassenfeind” absetzt oder eventuelle Einsatzbefehle verweigert.

Aus den frühen 80er Jahren liegen uns zwei weitere Auskunftsberichte über Bewerber am Flugplatz Pinnow vor. Auch diese beiden Schüler wurden nach eingehender Prüfung angenommen.
Offensichtlich war Westverwandtschaft 2. Grades (Tante, Großeltern – s. Bericht oben) kein automatischer Ablehnungsgrund. Anders sah es bei Westverwandtschaft 1. Grades aus, also bei Eltern oder Kindern. Und wenn diese dann noch den Behörden verschwiegen wurden, sah es für die Flieger nicht gut aus. Doch dazu im nächsten „Bericht“.

Teil 3

Verpflichtung

Hiermit verpflichte ich mich, xxxxxxxxx aus eigener politischer Überzeugung und auf vertraulicher Basis mit dem MFS inoffiziell zusammenzuarbeiten, bei der Aufklärung und Bekämpfung aller feindlichen Angriffe und Aktivitäten gegen die DDR sowie die befreundeten sozialistischen Staaten.

Ich bin davon überzeugt, dass ich durch meine inoffizielle Zusammenarbeit mit dem MfS dazu beitrage, die Erhaltung und die weitere friedliche Entwicklung unser sozialistischen Gesellschaft sowie die Festigung des Bruderbundes der befreundeten sozialistischen Staaten aktiv zu unterstützen.

Über diese inoffizielle Zusammenarbeit werde ich gegenüber meinen Eltern, Verwandten, Bekannten und Freunden, gegenüber der VP, den Organen der Justiz sowie anderen gesellschaftlichen und staatlichen Organen strengstes Stillschweigen bewahren.

Ich wurde darüber belehrt, dass ich bei Bruch dieser Verpflichtung nach den geltenden Gesetzen der DDR zur Verantwortung gezogen werden kann. Zur Wahrung der Konspiration und Geheimhaltung meiner inoffiziellen Zusammenarbeit wähle ich mir den Decknamen „Thomas Gäbler“. Meine Information, die ich in schriftlicher und mündlicher Form geben werde, unterzeichne bzw. benenne ich mit diesem Pseudonym.

Schwerin, den 10.06.82

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Wie kommt ein junger Flieger aus Pinnow dazu, diesen offensichtlich in die Feder diktierten Text zu schreiben und zu unterzeichnen? Es gibt sicher kaum Beispiele, in denen ein Jugendlicher von sich aus zur Stasi gerannt ist, um Berichte über seine Fluglehrer, Kumpels und die Zustände auf dem Flugplatz abzuliefern.

Man(n) wurde also angesprochen. Der Junge hatte kaum eine Chance, sich den Offerten der Stasi zu widersetzen. Gelockt wurde er mit besonderer Kameradschaft bei der Stasi, der angeblichen Wichtigkeit seiner Tätigkeit für den Weltfrieden und die Sicherheit der DDR. Die Stasi appellierte an Verantwortungsgefühl, Ehr- und Treuebegriff und suggerierte ein Eliteverständnis: „Wir haben Dich ausgewählt.“

Das Angebot wurde also klar formuliert, allerdings ohne echte Wahlmöglichkeit. Dem Kandidaten wurde im Gegenzug eine privilegierte Zukunft in Aussicht gestellt (Studium, Reisen), allerdings war klar, dass eine Ablehnung ebenfalls Konsequenzen hätte – nur eben weniger schöne.

Nicht zuletzt half der kollektive Dienst- und Kampfzustand, in dem sich die DDR permanent befand, da ja niemand für das Leben, sondern für den Sozialismus zu lernen, zu arbeiten oder zu kämpfen hatte. Nach dem Motto: „Wir tun was für Dich (Segelflugausbildung, Schule …), nun tu auch was für uns“, bedurfte es schon enormer Widerstandskraft, diese Forderungen auszuschlagen. Hinzu kam, dass die Jugendlichen die Konsequenzen einer Ablehnung nicht übersehen konnten. Spätestens hier ist die Frage nach Opfer und Täter in diesem System (wenn man sie stellt) nicht mehr so leicht zu beantworten… .

Aber zurück zur Datenlage, die da zeigt: auch bei der Auswahl der Jugendlichen wurde nichts dem Zufall überlassen. Das MfS wollte über alles, was sich in Pinnow bewegte, Bescheid wissen. Also: wen von den Jugendlichen wirbt man? Und wie? Dazu benötigten die Stasimitarbeiter ein klares „Anforderungsbild“, welches speziell für Pinnow erarbeitet wurde. Welchem Bild der zukünftige „Tschekist“ entsprechen sollte, geht aus dem folgenden Dokument hervor:

Kreisdienststelle Schwerin                                              Schwerin, den 13.04.82

Ref. XX

Anforderungsbild

eines IM für den Schwerpunktbereich Segelflugsport der GST auf dem Segelflugplatz Pinnow

Zur besseren op. Durchdringung und Lagebeherrschung im Sicherungsbereich GST-Segelflugsport der Stadt Schwerin auf dem Flugplatz Pinnow, ist es erforderlich, geeignete Jugendliche für die inoffizielle Zusammenarbeit mit dem MfS zu gewinnen.

Der geplante Einsatz des zu gewinnenden IMS konzentriert sich auf die Lösung op. Detailaufgaben auf dem Segelflugplatz Pinnow sowie auf die Aufklärung und op. Kontrolle des Ausbildungspersonals und der Flugschüler.

Daraus leiten sich für den IM-Kanditaten u.a. folgende subjektive und objektive Anforderungen ab:

  1. Der Kandidat männlichen oder weiblichen Geschlechts sollte 16 – 18 Jahre sein und sich in der flugtheoretischenund flugpraktischen Ausbildung befinden.
  2. Der Kandidat muss über die notwendige Selbstsicherheit (…) verfügen sowie einen guten Umgang zu den Jugendlichen vom Flugplatz haben.
  3. Er muss in der Lage sein, auf unkomplizierten Wege, auch neue Kontakte zu op. Interessierenden Personen, die sich auf dem Flugplatz befinden, herzustellen und auszubauen,
  4. Es müssen günstige Möglichkeiten für eine stabile sowie effektive Zusammenarbeit vorhanden sein, die einen gezielten Einsatz als IMS gewährleisten, wie z.B.
    – keine strenge Kontrolle durch das Elternhaus
    – stabile Leistungen in der Ausbildung als Flugschüler sowie in der Schule (…)
  5. Der Kandidat muss in der Lage sein, aufgrund seiner Persönlichkeit sowie seiner Leistungs- und Verhaltenseigenschaften einen zielgerichteten Einfluss auf die Fluglehrer und Flugschüler ausüben zu können. Dabei sind u.a. solche Fähigkeiten zu entwickeln und auszubauen, wie zum Beispiel Verschwiegenheit, Disziplin, konstruktives Denken und Bewerten.
  6. Es müssen bei ihm erste Fähigkeiten zum Erkennen und richtigen Bewerten politischer Situationen, op. interessanter Vorkommnisse und Erscheinungen vorhanden sein, wie z.B.
    – Beobachtungsgabe für bestimmte Vorkommnisse;
    – Vermögen zum selbständigen Handeln und ein klares Freund-Feindbild.
    Dies setzt voraus, dass der Kandidat die dortigen Regimeverhältnisse ausreichend kennt, um sich den notwendigen Handlungsspielraum zu verschaffen.
  7. Er muss eine positive Einstellung zur Notwendigkeit für eine Zusammenarbeit mit dem MfS besitzen.
  8. Der Kandidat muss in der Lage sein, die op. Zielvorstellungen des IM-Einsatzes zu verstehen und op. Zusammenhänge aufgaben bezogen zu erkennen.

Bestätigt:  (Kürzel), 16.4.82                                              Sachbearbeiter: Rehberg

Das MfS hatte offensichtlich nicht die geringsten Skrupel, Jugendliche für Spitzeltätigkeiten jeder Art zu missbrauchen. Die Auswahl eines Kandidaten erfolgte, eine umfangreiche Beurteilung des Jungfliegers wurde erstellt und im April 1982 endet ein Bericht der Kreisdienststelle Schwerin, Ref. XX mit dem Satz:

(…) auf dem Segelflugplatz Pinnow erscheint die Person xxxxxxxxxxx  als IM-Kandidat entsprechend dem vorliegenden Anforderungsbild als geeignet. (…)

Ich schlage vor, xxx als IM-Kandidat aufzuklären (zu werben – R.L.)

Einverstanden:                                                                              Sachbearbeiter

i.V.  (Kürzel)  Ltn.

Ref. Leiter,Ref XX

Plan der Aufklärung muss erarbeitet werden. 12.04.82

Der Plan zur „Aufklärung“ wurde auch prompt erstellt. In sauberer Handschrift wurde folgender Plan verfasst und vom Referatsleiter Abt. XX abgesegnet:

KD Schwerin                                                                                  Schwerin, 26.4.1982

Konzeption zum Kontaktgespräch: (Ort – R.L.)  GST-Kreisvorstand Schwerin-Stadt

Datum: 27.4.1982, 15:30

Der Kandidat wurde vom GST-KV Schwerin-Stadt bestellt. Entsprechend seiner Funktion erhielt der GMS „Hans Schmidt“ den Auftrag, den IM-Kandidaten zur Klärung disziplinarischer Maßnahmen zu bestellen.

Zielstellung:

Die Zielstellung des Kontaktgesprächs besteht in der weiteren Aufklärung der subjektiven Fähigkeiten und objektiven Möglichkeiten des Kandidaten für eine Werbung und einen Einsatz als inoff. Mitarbeiter des MfS entspr. des Anforderungsbildes.

Schwerpunkte des Gesprächs:

  1. – (…) (Hier wurden allgemeine Fragen zum Flugplatz Pinnow gestellt; Ordnung, Sicherheit usw. – R.L.)  Weiterhin:

    Herausstellen des besonderen Sicherheitsinteresses des MfS für den Flugplatz Pinnow

  2. Erlangung der Bereitschaft  und Zustimmung  für weitere konspirative Begegnungen mit dem IM-Kandidaten
    – Gespräch dient dazu, um zwischen MA und IM-Kandidat eine vertrauensvolle, kameradschaftliche Atmosphäre für eine kommende Zusammenarbeit zu schaffen.
    – Herausarbeitung von Persönlichkeitsmerkmalen zum Kandidaten und zu seinen Eltern
    – Herausarbeitung von verwandtschaftlichen Bindungen 1. u. 2. Grades im nichtsozialistischen Ausland
  3. Herausarbeitung seiner Bereitschaft bzw. Motivation für die Übernahme erster konkreter Aufgaben- Erläuterung einiger grundlegender Aufgaben zur Staatssicherheit
    – Gewährleistung der Geheimhaltung des Kontaktgespräches, indem der Kandidat auf moralische Pflichten hingewiesen wird
    – Gewährleistung der Geheimhaltung durch Abnahme einer Schweigverpflichtung.
    – Übernahme konkreter Aufgaben auf dem Flugplatz Pinnow für das MfS (Bericht über Ordnung und Sicherheit bei der Flugpraktischen Ausbildung (…) und erneutes Kontaktgespräch am 7,5,1982 um 15:00 Uhr in der Kontakt-IMK „Kurt Müller“.

Einverstanden:                                                                                          Sachbearbeiter

Ref. Leiter XX

Major

Am 10.06.1982 unterschrieb der IM-Kandidat die oben stehende Verpflichtung und sagte damit „Ja“ zum lebenslangen Pakt mit dem MfS. Kündigungsklauseln oder Laufzeiten waren im Vertrag nicht vorgesehen.

In den Akten folgen nun einige „Treffberichte“, in denen der Inhalt der Gespräche mit „Thomas Gäbler“ dokumentiert wird. Manchmal erfolgen die Zusammenkünfte aller zwei Wochen, in der Regel in konspirativen Wohnungen des MfS in Schwerin.

Themen der Befragungen waren z.B.: Auskünfte zu bestimmten Personen auf dem Flugplatz, Alkoholmissbrauch, Verstöße gegen Anordnungen, Verraten von Dienstgeheimnissen usw. Oder folgendes:

„(…) Bei seiner weiteren Berichterstattung ging der IMS auf die Person xxxxx ein. Dieser äußerte sich dahingehend, während seines 18. Lebensjahres die DDR ungesetzlich verlassen zu wollen.“

Was eine solche Aussage gegenüber dem MfS für den Lebensweg des Bespitzelten bedeutet hatte, lässt sich aus heutiger Sicht gut einschätzen. Das kleinste Übel wird das Aus für die Segelfliegerei gewesen sein, das weitaus größere und folgenreichere waren aber die von nun an genauere Beobachtung und Überwachung, eingeschränkte Studienmöglichkeiten, Einschnitte bei jeglicher beruflichen Entfaltung und Reiseverbote selbst für das sozialistische Ausland.

Der neue IM indes bekommt nun ständig neue Aufgaben, die er bis zum nächsten Treff abzuarbeiten hat. Er wird aufgefordert zur erneuten:

„(…) Berichterstattung zu den Personen xxxx, xxxx,  xxxx, xxxx und xxxx. Dabei soll der IMS versuchen mit ihnen ins Gespräch zu kommen, bei Arbeiten an der Technik, zwanglose Unterhaltung, Herausarbeitung von NSW-Verwandtschaft, bei xxxxx Einstellung und Haltung zum „Punk“.“

Abschließend hier ein handschriftlicher Bericht des „Thomas Gäbler“

IMS Thomas Gäbler                                                                      Schwerin, den 7.6.83

Bericht

In einem Gespräch mit xxxxxxxxx erzählte mir dieser, dass er Verwandte 2. Grades im NSW hat. Dabei soll es sich um die Schwester seiner Mutter handeln.

Der Vater des xxx war xxxxxxxxxxx. Da zum damaligen Zeitpunkt die verwandtschaftlichen Beziehungen noch bestanden, gab er seinen Dienst bei der NVA auf.

Xxx brachte zum Ausdruck, dass von Seiten seiner Eltern sämtliche Beziehungen und Kontakte seit längerem abgebrochen sind. Aus diesem Grunde erachtet er es auch nicht für notwendig, diese Verwandten aus dem NSW auf irgend welchen Fragebögen erscheinen zu lassen.

Thomas Gäbler

Handschriftliche Bemerkungen seiner Führungsoffiziere am Ende des Berichts:

Auftrag: Inoff. Kontrolle des xxxx auf dem FP Pinnow

Einleitung von weitergehende Sicherheitsüberprüfungen zu den Großeltern, mit dem Ziel der Feststellung, ob über diese der aktive Kontakt ins NSW gehalten wird.

Weitere Akten zu diesen Vorgängen liegen uns nicht vor. Mit größter Wahrscheinlichkeit wurden sie alle nach der Maueröffnung in der Heizanlage der Kaserne in Stern-Buchholz verbrannt.

Teil 4

Seit dem Mauerbau 1961 kam es immer wieder zu spektakulären Grenzdurchbrüchen. Mit allem, was fahren, tauchen oder schwimmen konnte, wurde mit wechselndem Erfolg versucht, die Grenze in Richtung Westen zu überwinden. Da liegt es nah, dass auch Flugzeuge zur Flucht verwendet wurden, was auch gelegentlich geschah.

Im Unterschied zu Fluchten auf dem Lande oder zu Wasser war eine Flucht mit Flugzeug spektakulär und wurde in den Westmedien mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht.

Um diese „Grenzdurchbrüche“ zu verhindern, war es daher aus Sicht des MfS unerlässlich, nicht nur sporadische Kontrollen bei den Fliegern durchzuführen, sondern ein lückenloses Kontrollsystem für die Flugplätze zu schaffen.

In einem vom stellvertr. Stasi-Minister Generalmajor Mittig eingeforderten „Bericht zum Stand der Aufklärung – (Kontrolle – R.L.)  der Teilnehmer am Motorflug, Segelflug und Fallschirmsprung der GST“, der von der MfS-Bezirksverwaltung Schwerin am 24. Juli 1979 vorgelegt wurde – wird ein eher mangelhaftes Bild der „Aufklärung“ gezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt war es nicht möglich, eine lückenlose Überwachung der 402 Flugsportler der GST im Bezirk Schwerin durch die Staatssicherheit zu gewährleisten.

Im Punkt 3 des oben genannten Berichts mit der Überschrift: „Umfang und Qualität der inoffiziellen Basis im Bereich der GST“ wird es konkret. Dort heißt es:

Der Bereich der GST ist im Bezirk Schwerin mit insgesamt mit 36 IM/ GMS inoffiziell abgesichert. Davon können zur direkten Absicherung der Flug- und Sprungkader 19 IM/GMS eingesetzt werden.

Einen Schwerpunkt der inoffiziellen Durchdringung stellt das Bezirksausbildungszentrum (BZA)  für fliegerische Ausbildung in Neustadt-Glewe dar. Durch den verantwortlichen Genossen der Abteilung XX/3 werden unter den hauptamtlich tätigen Personen im BAZ  9 IM/GMS geführt, die sich wie folgt aufgliedern:

Motorfluglehrer3IM  1 GMS
Motorflugtechniker2 IM
Leitung BZA1 IM  1 GMS
Fallschirmsport1 IM

 

Mit diesen inoffiziellen Potenzen werden die Flugsportler während der Lehrgänge und Flugausbildung im BZA unter operativer Kontrolle gehalten.

Von den 19 einsetzbaren IM/GMS waren also neun in Neustadt-Glewe tätig. Die Konzentration von IMs auf diesem Flugplatz ergab sich aus der Tatsache, dass im „Bezirksausbildungszentrum“, welches in erster Linie der vormilitärischen Ausbildung diente,  16 Motorflugzeuge und sechs Segler stationiert waren. Die Möglichkeit einer spektakulären „Flucht“ war dort stärker gegeben und machte deshalb aus Sicht des MfS eine besondere Kontrolle notwendig

Die übrigen 10 IM werden sich auf die übrigen drei Flugplätze Güstrow, Parchim und Pinnow verteilt haben. In welchem Verhältnis ist leider nicht vermerkt.

Eine Schlussfolgerung im oben genannten Bericht lautet:

(…) Alle Kader, die sich im Segel- und Motorflug betätigen bzw. künftighin betätigen wollen, werden im Sicherungsvorgang erfasst und unter ständiger operativer Personenkontrolle gehalten.

Zu allen Flugkadern der GST wird ein operativ auskunftsfähiges Material erarbeitet bzw. vorhandenes Material aktualisiert, um eine konkrete Aussage über die politische Zuverlässigkeit und kadermäßige Eignung des Flugkaders treffen zu können. In den Mittelpunkt der operativen Überprüfungen werden vorhandene verwandtschaftliche bzw. bekanntschaftliche Verbindungen des Flugkaders bzw. seiner Verwandten ins NSW (Nichtsozialistische Ausland R.L.) , seine politische Zuverlässigkeit sowie sein Verhalten im Arbeits- und Freizeitbereich gestellt.

Ein weiteres Ergebnis des Berichts war, dass vorerst von den 402 Flugsportlern im Bezirk Schwerin nur diejenigen eine Fluggenehmigung erhielten, die vom MfS überprüft und für zuverlässig befunden wurden. Das waren nur 74 Flugsportler.

Es ging dann aber recht zügig voran: Für unseren Pinnow-Flugplatz hieß es 1980 in einer MfS-Meldung (XX/3) aus Berlin:

(…) . Seitens unserer Diensteinheit bestehen keine Einwände gegen eine Aufnahme des Flugbetriebs auf dem Segelflugplatz der GST Schwerin-Pinnow am 20.09.1980 (…)

Durch die zuständige Diensteinheit wurde abgesichert, dass ausschließlich durch das MfS nochmals bestätigte Kader zum Flugeinsatz kommen

Dr. Schwarz/ Dchroeder.

Bv Schwerin, abt. XX

Spätestens ab diesem Zeitpunkt kann man von einer lückenlosen Überwachung der Flieger im Bezirk Schwerin – also auch in Pinnow – ausgehen. Auch um diese Kontrolle durchzusetzen und zu perfektionieren, wurde im März 1981 auf unserem Flugplatz ein hauptamtlicher Flugplatzleiter inthronisiert. Zu diesem Zeitpunkt zwar noch kein IM, versorgte er dennoch das MfS bei konspirativen Treffen mit Informationen über die Zustände auf dem Flugplatz und zu einzelnen Personen.

Obwohl die Berichterstattung des Flugplatzleiters an das MfS gut funktionierte, wurde er als IM geworben. Für diese „Notwendigkeit“ wurde folgende Begründung formuliert:

Zur Beherrschung der politisch-operativen Lage unter dem Ausbildungspersonal der Sektion Segelflugsport des GST-Kreisvorstandes sowie zur operativen Durchdringung der in dieser Sektion integrierten und auszubildenden Jugendlichen ist es notwendig, einen geeigneten Segelfluglehrer als IMS in Schlüsselposition zu werben.

(…)

Der Kandidat verfügt über die hauptsächlichsten objektiven Möglichkeiten und subjektiven Faktoren zur Gewährleistung einer effektiven IM-Arbeit. So ist er zurückhaltend und intelligent, besitzt umfangreiche Kontakte und Verbindungen zu den Mitgliedern der Sektion Segelflugsport des Bezirksausbildungszentrums (…) und ist in der Lage, zielstrebig neue Kontakte herzustellen.

Daraus resultiert die Möglichkeit, (…) ihn zur Aufklärung op. Interessierender Personen  im Bereich des GST-Flugplatzes Pinnow einzusetzen. Die Zweckmäßigkeit der Werbung lässt sich weiterhin damit begründen, dass (…) aufgrund seiner Funktion unter den Jugendlichen (…) ein gutes Ansehen genießt. (…)

Der geplante Einsatz des Kandidaten als IMS in Schlüsselposition (…) gliedert sich schwerpunktmäßig wie folgt auf:

  • Informationserarbeitung zu Personen und Sachverhalten im op. Klärungsprozeß „Wer ist Wer?“ Schwerpunkte sind dabei die Aufdeckung und Aufklärung negativer Verhaltensweisen, Pläne, Absichten, Verbindungen und Aktivitäten von Personen bzw. Personengruppen unter den GST-Sportlern.
  • Das rechtzeitige Herausarbeiten von inoffiziellen Hinweisen zu operativ interessanten Personen bzw. Personengruppen
  • Einflussnahme auf ein den gesellschaftlichen Normen entsprechendes Verhalten der jugendlichen Flugschüler und Fluglehrer auf dem Flugplatz Pinnow
  • (…)
  • Realisierung von Teilmaßnahmen zu Sicherheitsüberprüfungen

Am 29. Juli 1981 unterzeichnete der hauptamtliche Flugplatzleiter freiwillig die Verpflichtungserklärung zur inoffiziellen Mitarbeit mit dem MfS. Zur Einhaltung der Konspiration wählte er den Decknamen „Martin Anders“

Er verpflichtete sich u.a.: „Bei Bekanntwerden von Hinweisen u. Vorkommnissen in dem genannten Rahmen sowie zu den Personen werde ich sofort und selbständig den mir bekannten Mitarbeiter des MfS informieren“.

Eine Einschätzung des IMS „Martin Anders“ erfolgte durch die Kreisdienststelle Schwerin (MfS) am 18.7.1988. Darin heißt es:

Der IMS ist als hauptamtlicher Leiter des Bezirksflugplatzes Pinnow (Segelflug) tätig. Er ist Mitglied der SED.

Sein bisheriges Einsatzgebiet als IM des MfS war die operative Durchdringung von GST-Ausbildern und Segelflugschülern des Bezirkssegelflugplatzes Pinnow.

Im Folgenden wird sein Klassenstandpunkt gelobt und sein Schwänzen der monatlichen konspirativen Treffs mit dem Führungsoffizier getadelt. Weiter heißt es:

In der inoffiziellen Arbeit selbst leistet der IMS eine gute Aufklärungsarbeit zu Kadern, die auf dem Flugplatz tätig sind. (…)

Der IM ist nicht in der Lage, zielgerichtet Kontakte zu negativ eingestellten Personen aufzubauen, da er auf Grund seiner Funktion und seines progressiven Auftretens als Genosse bekannt ist. Trotzdem kam er an der Bearbeitung der OPK „Flieger“ des Gen. Frank, KD Schwerin, mehrjährig zum Einsatz (Über diesen Einsatz ist uns nichts bekannt – R.L.)  Des weitern liefert er die Zuarbeit zu anderen operativen Materialien. (…)

Der IMS kann als ehrlich und hilfsbereit eingeschätzt werden. Hinweise einer Dekonspiration wurden nicht erkannt.

(Kürzel)

Hauptmann

Zusammenfassend kann aufgrund der vorliegenden Dokumente gesagt werden, dass der Segelflugplatz Pinnow spätestens seit Anfang der 80er Jahre durch das MfS vollständig überwacht, kontrolliert und gesteuert wurde.

Alle auf dem Flugplatz tätigen Segelflieger wurden von verschiedenen Dienststellen durchleuchtet, auf ihre „Zuverlässigkeit“ im Sinne des MfS überprüft und durch das MfS bestätigt – oder abgelehnt. Einspruchsmöglichkeiten von betroffenen Personen gegen diese Entscheidungen gab es nicht.

Aufgrund der IM-Berichte aus dem Flugschüler- und Fluglehrerbereich in Pinnow gelangten alle Informationen zu den Dienststellen des MfS, die daraufhin auf die fliegerische Tätigkeit der Personen einwirken konnten. Doch erst durch die Installation eines IM in Schlüsselposition (Flugplatzleiter) wurde eine direkte Einflussnahme auf den Flugplatz Pinnow möglich. Der Flugplatzleiter war bis zur Auflösung der DDR im Amt.


Kommentar zum Teil 4 der Berichte von Bernd Speer:

Dieses Aktenmaterial wurde mit viel Fleiß aufbereitet, aber es sind leider nur die Akten des MfS. Wie sich das tatsächliche tägliche Leben auf dem Flugplatz Pinnow zu der Vor-Wende-Zeit abgespielt hat, ist (bisher) leider nicht in objektiver Form niedergeschrieb en worden.

Zu zwei Punkten möchte ich mal aus dem Gedächtnisprotokoll meine Ansicht darlegen:
Zum 4. Teil der Chronik: Dass sich unser damaliger Flugplatzleiter als IM anheuern lassen hat, habe ich erst hier erfahren und laut Aktenlage soll er ja mächtig Informationen an das MfS gegeben haben. Die meisten Gründungsmitglieder unseres Vereins kennen ja seinen Lebens- und Arbeitsstil in der Tätigkeit als Flugplatzleiter … . Er war ja schon aufgrund seiner Funktion der Ansprechpartner sowohl für den Postboten als auch für das MfS. Er hat sicherlich auch auf deren Fragen geantwortet, er hat aber auch uns darüber informiert, was die Leute von der Firma (MfS) im einzelnen wissen wollten und mit welchen Infos er diese Leute abziehen lassen hat. Er hat aus heutiger Sicht hoch gepokert, denn wenn dieses bekannt geworden wäre, hätte man ihn in die Wüste geschickt.

Was für alle Älteren unberechenbar war, waren die doch zahlreichen Flugschüler, die Kind eines NVA- oder Polizei-Offiziers, Parteifunktionärs oder MfS-Angehörigen waren (bei uns flog z.B. der Sohn des Abwehrchefs der MfS-Bezirksverwaltung – „Markus Wolf vom Bezirk Schwerin“). Die Aufzählungen im 1. Chronikteil sind alle über die Eltern weitergeleitet worden. Der damalige Flugplatzleiter konnte sich dann den Zusammenschiss abholen, weil er diese „Missstände“ duldete und anschließend hat er uns dann erzählt, was wieder aufgelaufen war.

Ein Schlüssel-Ereignis fehlt noch: Ein Flugleiter (zu GST-Zeiten war dieser für diesen Tag der „Flugplatzkommandant“) hat neben dem SKP Tennis gespielt. Ein „absoluter Sicherheitsverstoß“ am Sonntag, am Montag Zusammenschiss für den Flugplatzleiter. Einige Wochen später kam dann das im Punkt 5 (Chronik 1) beschriebene Ereignis. Der Pilot war Lizenzinhaber, Sohn eines Polizeioffiziers, für die NVA-Fliegerlaufbahn vorgesehen. Der Flugleiter war wieder der „Tennisspieler“. Die Älteren waren sich einig, dass diese Geschichte ein gezielter Test vom MfS war, um nachzuweisen, wie in Pinnow die Flug-Sicherheit-Anweisung der GST (= Verhinderung Republikflucht) eingehalten wird. Die Schließung des Flugplatzes wäre im Ernstfall die Folge gewesen.

Die Älteren hatten zu der Zeit die gleichen Beweggründe, um zum Flugplatz zu fahren wie die heutige Generation. Damals stand man leider unter Beobachtung und das MfS entschied letztendlich, wer fliegen durfte. Aber die Fliegerei war nahezu kostenlos und heute muss man für die Kosten aufkommen – und bis auf die ZÜP gibt es keine staatliche Überwachung.

Teil 5

Heinz Mraß – Fluglehrer in Pinnow

Was sind heute die Voraussetzungen, um in Pinnow Fluglehrer zu sein? Fliegen gelernt zu haben, bevor man laufen konnte, eine unüberschaubare Anzahl fliegerischer Bestleistungen, zahlreiche Lehrgänge, pseudo-pädagogische Grundkenntnisse, Nerven wie Drahtseile und (was übrigens für alle Mitglieder gilt) eine gewisse Trinkfestigkeit.

Und was sind die Kriterien, um nicht mehr mit gewichtiger Miene im Flugzeug hinten sitzen zu dürfen? Ideologischer Überbau oder familiärer Hintergrund jedenfalls nicht. Wen interessiert heute, wer bei welcher Partei das Kreuz auf den Wahlzettel macht oder welchen binnendeutschen Verwandtschaftshintergrund die Eltern oder anderer familiärer Anhang haben? Niemanden! Selbst bundesdeutsche Einwanderer und die geschmähten Sachsen lässt man fliegen und schulen.

Eine gute Generation zurück sah das anders aus. Und ab hier wird es wieder ernst.

Auf unserem Flugplatz war in den sechziger und siebziger Jahren ein Fluglehrer tätig: Heinz Mraß. Auch sein Sohn lernte während dieser Jahre in Pinnow das Fliegen. Heinz Mraß ist vor wenigen Jahren gestorben.

Er arbeitete in dieser Zeit hauptberuflich als Leiter der Sternwarte Schwerin, als Hobby betrieb er den Segelflugsport.

im Bezirksvorstand der GST war er Mitglied der Kaderkommission und hat in dieser Funktion Entscheidungen über die Zulassung oder Nichtzulassung der Flugsportler im Bezirk Schwerin mitgetragen.

War es Instinkt, eine Ahnung oder Kenntnis, was ihn zum Verschweigen seiner in der BRD lebenden Mutter gegenüber den Behörden bewog? Mraß wollte seine Berufstätigkeit nicht gefährden und weiterhin im Flugsport tätig sein. Die Entscheidung zum Verschweigen war aus seiner Sicht richtig, denn die Kriterien für die „Nichtzulassung zum Segelflugsport“ waren eindeutig. Festgelegt wurden diese in der geheimen Anordnung Nr. 6/1976 des Zentralvorstandes der GST vom 5.4.1976. Darin heißt es u.a.:

Die Zulassung zur Teilnahme an der fliegerischen Tätigkeit in der GST erfolgt entsprechend der gesellschaftlichen Notwendigkeit und der sich daraus für die GST zu erfüllenden Aufgaben. Die Auswahl und Erstbestätigung von Bewerbern sowie die periodisch vorzunehmende Wiederbestätigung von Teilnehmern sind den Klassen- und Sicherheitsinteressen des sozialistischen Staates unterzuordnen. (…)

Es folgen im Originaltext 13 Punkte, von denen die vier für die Sperrung des Fluglehrers Mraß entscheidenden hier genannt werden sollen:

Eine Bestätigung von Bewerbern bzw. eine Wiederbestätigung von Teilnehmern ist nicht vorzunehmen, wenn:

  • ein Verwandter 1. Grades des Bewerbers oder Teilnehmers bzw. einer seiner Angehörigen nach dem 7. Oktober 1949 gesetzwidrig das Staatsgebiet der DDR verlassen hat (Verwandte 1. Grades sind Eltern und Kinder – Angehörige im Sinne dieser Verordnung sind Ehepartner und Geschwister).
  • aktive Verbindungen privaten Charakters zu Personen oder Institutionen in nichtsozialistischen Ländern sowie nach Westberlin unterhalten werden
  • durch den Bewerber oder Teilnehmer unwahre oder unvollständige Angaben in seinen Kaderunterlagen gemacht wurde
  • der Bewerber oder Teilnehmer die von ihm oder von seinen mit ihm in einem gemeinsamen Haushalt lebenden Verwandten bzw. Angehörigen unterhaltenen aktiven persönlichen oder postalischen Verbindungen zu Bürgern oder Institutionen nichtsoz. Staaten (…) verschwiegen hat.

Auf kuriosen Wegen hatte das MfS von der Westverwandtschaft Wind bekommen. Als die Tatsache bekannt wurde (nicht über die Pinnower IMs! Die hätten natürlich berichtet, wussten aber von der Verwandtschaft nichts – R.L.) ging alles seinen sozialistischen Gang:

Übersichtsbogen zur operativen Personenkontrolle

Name, Vorname(Mraß, Heinz)
Geb. am, inxxxxxxxxxxxxxxxxx
Wohnhaftxxxxxxxxxxxxxxxxx
Beschäftigtxxxxxxxxxxxxxxxxx

1.      Entscheidung über das Einleiten

Brüggemann, Hauptmann          19.6.1979           i.V. Röpke, Major

2.      Gründe für das Einleiten

(Mraß)  unterhält Verbindungen in die BRD, die er gegenüber der Öffentlichkeit konspiriert. Der Postverkehr enthält Verdachtshinweise für die Anwendung von SVM und das Versenden von Versorgungspaketen

Mraß ist Inhaber der Berechtigungen für Segel- und Motorflug. Durch seine Tätigkeit auf Flugplätzen der GST und durch seine berufliche Stellung verfügt er über Möglichkeiten zur militärische und politischen Spionage.

3.      Ziel der operativen Personenkontrolle

  • Klärung des Umfangs und Charakters der konspirativen Verbindung
  • (…)
  • Aufklärung der Persönlichkeit des xxxx, seiner Familienangehörigen und Verbindungen

4.      Eingesetzte IM / GMS          IMS „Rainer Holtz“

Nun wurde die Operation „Planet“ gestartet (Planet – sehr sinniger Kodename für einen Bürger, der gleichzeitig Segelflieger und Sternwartenchef war – R.L.) und zwar mit einer Anfrage an Abteilung XX (20 – R.L.)

Anfrage der Abteilung II/5 an Abteilung XX

Schwerin, 06.08.1979

Xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Es wird gebeten, vom xxxxxxxxxxxx, unter Einhaltung der Konspiration der Kaderunterlagen über die og. Person einzuholen und der Abteilung II zur operativen Auswertung zur Verfügung zu stellen. (…)

Nebenberuflich ist (Mraß) als Flieger der GST tätig und soll über eine Segel- und Motorflugerlaubnis verfügen.

Es wird gebeten, zu überprüfen, ob dieses gegenwärtig noch zutrifft, in welcher Intensität er dem Flugsport nachgeht, welche Flugarten und Flugstrecken er absolvierte, welche Stellung er gegenwärtig im GST-Flugwesen bekleidet und ob es seinerseits Verstöße gegen die geltenden Flugvorschriften, Ordnung und Sicherheit gab.

(…)

Sollten in diesem Zusammenhang bestehende oder ehemalige NSW-Verbindungen bekannt sein, wird um entsprechende Mitteilung gebeten

(…)

Leiter der Abteilung

Höller

Oberstleutnant

Die Abteilung XX (20) war nicht faul, am 27.8.1979 kam die Antwort:

Ermittlungen zu xxxxxxxxxxxx

Ihr Schreiben v. 6.8.79, 808/79 brü-kl

Zu (Mraß) wurde folgendes ermittelt:

Xx ist gegenwärtig ehrenamtlicher Segelfluglehrer am Segelflugplatz Pinnow. Er fliegt aber sehr wenig, da er wenig Freizeit hat. Sein Einsatz beschränkt sich auf den Flugplatz Pinnow (…).

Xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Verstöße gegen die geltenden Bestimmungen, gegen Ordnung und Sicherheit im Flugsport durch ihn sind nicht bekannt..

Verstöße gegen seine schriftlich abgegebene Verpflichtung zum Abbruch der NSW-Verpflichtungen wurden bisher bei der GST ebenfalls nicht bekannt. Diese Verpflichtung gilt auch gegenwärtig noch.

Leiter der Abteilung

Freyer    Oberstleutnant

Im „Abschlußbericht zum operativen Material „Planet“ der Abteilung II/5“, der erst am 18.11.1983 erstellt wurde, wird vom MfS im Wesentlichen ein negatives Charakterbild des Mraß gezeichnet. Spionagevorwürfe wurden allerdings ausgeschlossen, das Verschweigen und Aufrechterhalten der Verbindung zur Mutter und anderer Verwandtschaft in der BRD wurde ihm zum Vorwurf gemacht (…).

Am Ende des Berichts heißt es lapidar:

Es wird deshalb vorgeschlagen, die operative Bearbeitung des Materials einzustellen, die Bestätigung des (Mraß) als Flugkader und Fluglehrer der GST zurückzuziehen. (…)

Heinz Mraß war einer der ersten Fluglehrer unseres „Noch-heute-Schülers“ Rüdiger Erben. Rüdigers gehütetes GST-Flugbuch von 1967 zeigt seine Unterschrift.

Der letzte Start des Fluglehrer Heinz Mraß in Pinnow erfolgte laut unserer Haupt-Flugbücher am 18.6.1978. Auch sein Sohn ist später in Pinnow nicht mehr geflogen.

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